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Selbst entwickeln oder MCSA nutzen?

Die Frage ist berechtigt. MOCUS, BDD, Cut-Set-Minimierung — die FTA-Algorithmen sind seit den 1970ern publiziert. Ein Team mit Safety-Hintergrund und C++-Kompetenz kann eine Fault-Tree-Engine bauen. Diese Seite legt offen, was bei der Entscheidung wirklich zählt: nicht die Algorithmen, sondern das Drumherum.

Der Aufwand liegt nicht in der Implementierung

Die Algorithmen sind der kleinste Aufwandsblock. Der eigentliche Engpass steht in ISO 26262-8 Clause 11: Tool Qualification. Ohne diesen Nachweis ist das Tool im Safety-Case nicht einsetzbar.

  • Tool Confidence Level bestimmen

    TCL1/2/3 aus Tool Impact (TI) und Tool Error Detection (TD) ableiten — je höher der Impact, desto aufwendiger die geforderte Qualifikation.

  • Qualifikationsmethode wählen

    Für TCL2/3 zwischen „Increased Confidence from Use", „Validation of the Software Tool", „Development in Accordance with a Safety Standard" oder „Evaluation of the Tool Development Process" entscheiden.

  • Evidenz erzeugen

    Validierungsplan, Testkorpus mit Abdeckungsnachweis, Regressionsevidenz, Requirement-to-Test-Tracing, dokumentierte Use Cases und Known Limitations.

  • Re-Qualifikation bei jeder Änderung

    Jeder Bugfix, jedes Feature, jeder Compiler-Wechsel erfordert mindestens eine Delta-Analyse; bei größeren Änderungen einen vollen Re-Qualifikationslauf.

  • Audit-Verteidigung beim Kunden

    OEM- und Tier-1-Assessoren erwarten dokumentierte Use-Case-Abgrenzungen und einen verantwortlichen Ansprechpartner für Tool-Fragen im Assessment.

Realistischer Aufwand: mehrere Mensch-Monate für die initiale Qualifikation, laufender Pflegeaufwand pro Release — unabhängig davon, wie schnell die Algorithmen selbst implementiert sind.

MCSA ist qualifiziert

MCSA ist als qualifiziertes Safety-Tool verfügbar — die Qualifikationsarbeit ist geleistet und bleibt im Betrieb gepflegt.

Qualifikation nach ISO 26262-8

MCSA v5.0.0 ist nach ISO 26262-8 Clause 11 qualifiziert. Qualifikationsumfang und Use-Case-Abgrenzung sind dokumentiert.

Evidenz auf Anfrage einsehbar

Validation Report, Use-Case-Dokumentation und Regressionsnachweis stehen für Kunden und Assessoren bereit — unter NDA, wo nötig.

Re-Qualifikation pro Release

Jedes MCSA-Release durchläuft den definierten Re-Qualifikationslauf, bevor es ausgeliefert wird. Neue Versionen kommen ohne Zusatzaufwand auf Kundenseite.

Tool-Support während Audits

Wir begleiten Assessor-Gespräche und liefern Nachweise zu Use Cases, Boundaries und Known Limitations — direkt durch den Tool-Entwickler.

Was MCSA technisch leistet

Auf der Outcome-Ebene — nicht als Algorithmen-Liste, sondern als belastbarer Lieferumfang:

  • Architektur-basierte Eingabe

    Textuelle, versionierbare FtaDSL-Beschreibung mit Funktionen, Ports, Schnittstellen (INT) und Fehlerfortpflanzungssemantik (OIM, COND-Literale, ISF/SF/TF-Raten).

  • Automatisierte Fault-Tree-Generierung

    Aus der Architekturbeschreibung — keine manuelle Baum-Pflege, keine Synchronisierungs-Kosten zwischen Architektur und FTA.

  • Minimale Cut-Sets bis zur gewählten Ordnung

    Mit KPI-Kennzahlen (FCI, RRW, IMP, SEN, Priorität), SPOF-Markierung und Common-Causes-Analyse bei Transfer-Strukturen.

  • LLM-gestützte Validierung und Interpretation

    Unabhängige Plausibilitätsprüfung der Eingabe und Einordnung der Ergebnisse. Die Analyse selbst bleibt deterministisch und vom LLM unabhängig.

  • Reproduzierbar und prüfbar

    Gleicher Input liefert denselben Output. Jede Berechnung ist nachvollziehbar — Voraussetzung für Safety-Case und Audit.

Was Sie als Kunde bekommen — über das Tool hinaus

  • Qualifizierte Ingenieurleistung

    Der Tool-Entwickler ist Functional-Safety-Engineer, nicht nur Software-Ingenieur. Support-Antworten kommen aus der Safety-Perspektive.

  • Unterstützung beim Modellaufbau

    Aufsetzen der FtaDSL-Struktur, OIM-Schemata, Interpretation der ersten Cut-Set-Ergebnisse — bis die Modellierungs-Kompetenz intern steht.

  • Integration in bestehende Safety-Prozesse

    MCSA integriert sich in Requirement-Management, Tracing und CI. Keine isolierte Tool-Insel.

  • Audit-Begleitung

    Bei Bedarf direkt im Assessor-Gespräch vor Ort — als Tool-Verantwortlicher, nicht als Marketing-Stimme.

  • Deployment-Optionen

    SaaS auf mcsa.appliedfusa.de oder On-Premise-Installation für vertrauliche Umgebungen (air-gapped möglich).

Make-vs-Buy auf einen Blick

Keine Karikatur, keine One-Way-Story — die Zeilen entsprechen realen Aufwänden aus Safety-Projekten. Eigenentwicklung ist eine legitime Option mit benennbaren Kosten.

Aspekt Eigenentwicklung MCSA nutzen
Algorithmus-Implementierung Mehrere Mensch-Monate C++-Arbeit (MOCUS, BDD, Minimierung). Algorithmen publiziert — kein Forschungsrisiko. Abgeschlossen, live im Einsatz.
Tool Qualification nach ISO 26262-8 Initialqualifikation typischerweise 3–6 Monate: Validierungsplan, Testkorpus, Evidenz, Dokumentation. Abgeschlossen für v5.0.0; Evidenz auf Anfrage einsehbar.
Re-Qualifikation pro Release Interne Verantwortung: Delta-Analyse plus Regressionstest bei jeder Änderung. Bei jedem Release inkludiert.
Audit-Support Intern durch das Team, das das Tool kennt — zusätzliche Personalbindung während Audits. Durch den Tool-Entwickler, bei Bedarf vor Ort.
Modellierungsexpertise (FtaDSL, OIM) Muss parallel zum Tool aufgebaut oder extern zugekauft werden. Direkter Support beim Modellaufbau, bis das interne Know-how steht.
Time-to-First-Result Mehrere Monate bis zum ersten qualifizierten Cut-Set-Ergebnis. Wenige Tage nach Modell-Aufbau.
Laufende Wartung Intern budgetieren: Bugs, Compiler-Wechsel, Tool-Chain-Updates. Bestandteil der Nutzung.

Wann eine Eigenentwicklung trotzdem sinnvoll sein kann

Make-vs-Buy hat keine allgemeingültige Antwort. Drei Konstellationen, in denen Eigenentwicklung ehrlich das bessere Vorgehen ist:

Großes Inhouse-Safety-Team mit langfristigem Bedarf

Eine einmalige Qualifikations-Investition amortisiert sich über Dutzende Projekte hinweg. Wer bereits eine Safety-Tool-Gruppe hat, die andere Tools pflegt, kann eine FTA-Engine konsequent ergänzen.

Bestehende Tool-Plattform-Strategie

Wenn eine eigene Safety-Toolchain gepflegt wird, in die FTA-Analyse nahtlos eingebettet werden soll (Shared Data Model, Single-Sign-On, gemeinsame CI), ist ein eigenes Tool die konsistente Wahl.

Forschung oder akademisches Umfeld

Wer Algorithmen erprobt, Varianten publiziert oder Studierende ausbildet, braucht volle Kontrolle über den Stack — eine qualifizierte Black Box ist hier das falsche Werkzeug.

Falls eine dieser Konstellationen zutrifft, lohnt ein Gespräch trotzdem — manchmal ist eine Teilnutzung (MCSA als Referenz-Implementierung während der Eigenentwicklung) die wirtschaftlichere Zwischenlösung.

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